Fasnacht Sargans mit langer Geschichte

In seinem Buch „Volksbrauch und Volksglaube im Sarganserland“ aus dem Jahre 1915 widmet der Sarganser Historiker Dr. Werner Manz auch einige Kapitel der Sarganser Fasnacht. Er schreibt, dass an der „alten Fasnacht“ zu Landvogtzeiten (1483 – 1798) in Sargans die 16 bis 18jährigen Burschen ein rund 18 Schuh langes Sägeholz, d.h. eine von den Ästen befreite Tanne, vom Kirchenplatz hinauf in den Schlosshof schleppten, wo ihnen für ihre Mühe auf Geheiss des Vogtes ein Trunk verabfolgt und die um den Hals gehängten „Plümpen“ (Treicheln) mit „Chüechli“ gefüllt wurden. Weiter beschreibt Manz, dass sich die Fasnachtsfreuden im wesentlichen auf den Fasnachtssonntag, - montag und dienstag konzentrierten und erst am folgenden Sonntag, an der „alten Fasnacht“, ausklangen.

Paul FedrizziPaul FedrizziSoweit die Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg dümpelte die Fasnacht dahin, bis die zwei fasnachtsverrückten Nichtsarganser Paul Fedrizzi und Alois Kurmann der Sarganser Fasnacht wieder neues Leben einhauchten. Im Jahre 1965 gründeten sie mit ein paar weiteren Unentwegten die Fasnachtsgesellschaft Sargans, die heute zu einem stolzen Verein mit über 40 Mitgliedern herangewachsen ist. Dabei griffen sie tief in die Trickkiste, indem sie den Vorfasnachtssonntag zum Fasnachtsauftakt in Sargans erkoren. Dies war eine einmalige Idee, steht die Fasnachtsgesellschaft Sargans heute praktisch konkurrenzlos mit ihren Anlässen (Maskenball und Umzug) in einer weiten Region da.    
 
Alois „Wisi“ KurmannAlois „Wisi“ KurmannAuslöser der Wiedergeburt der Sarganser Fasnacht war ein kleiner und spontan durchgeführter Umzug  im Jahre 1965. Erst am 22. November kam man aber überein, die Gesellschaft zu gründen. Ein Statuten-Entwurf umfasste damals 12 Artikel, wobei die Aktivmitglieder für allfällige Defizite haftbar waren!

Erster Vereinspräsident war Paul Moser, der bereits ein Jahr später sein Amt an Otto Schmucki weitergab. Dem Gründungskomitee gehörten neben Paul Fedrizzi und Alois Kurmann, Anton Schumacher, Hans Grünenfelder, Oswald Broder, Heinrich Schwarz, Fredy Friedlin und Hans Thoma an. Die erste Generalversammlung fand am 29. Oktober 1966 im Schloss Sargans statt.

Schon zu dieser Zeit wurde die Fasnachtszeitung „D’r Nörgeler“ herausgegeben. Erste Redaktoren waren Anton Schumacher, Leonhard Tomasin, Oswald Broder, Hans Grünenfelder und Hans Broder.
 
Sarganser Wahrzeichen: Die Gans 1976Sarganser Wahrzeichen: Die Gans 1976Die ersten Wagen wurden in der Markthalle Sargans beim Bahnhof gebaut. Zu diesem Zweck mieteten die Pioniere der neuen Sarganser Fasnacht die Halle für jeweils vier Wochen. Später hat man dann die Wagen auf dem Areal der Firma Fedrizzi gebaut.

Ein Meilenstein war die Errichtung einer eigenen Halle neben der Schiessanlage Schohl zu Beginn der 80er-Jahre. Die Einweihung dieser Halle erfolgte am 11. Juni 1983. Eine erste Erweiterung erfuhr die Halle im Jahre 1993, mit der Errichtung des „Narrenstübli“, eine zweite 1999 mit dem Bau des Lagers für Dekorationsmaterial, etc. für den Maskenball.    

Neben dem Umzug spielt der Maskenball eine wichtige Rolle im Vereinsleben der Fasnachtsgesellschaft. Nachdem die ersten Bälle beinahe im familiären Rahmen im Saal des Hotel Post durchgeführt wurden, ging man im Jahre 1983 das Risiko mit einem grösseren Maskenball in der Regionalen Sportanlage ein. Und der Mut zum Risiko lohnte sich. In jüngster Zeit wissen die Maskenbälle, heute Super-Mega-Fasnachtsparty genannt, weit über 1'500 Besucher aus nah und fern zu mobilisieren. Damit mutierte der Saganser Maskenball zum grössten zwischen Chur und Zürich.

In jüngster Zeit wird im Zunfthaus zum Löwen im Städtchen jeweils am Fasnachtssamstag ein Kindermaskenball organisiert. Auch dieser konnte nach einigen Geburtswehen zu einem festen Anlass fixiert werden. Hier wird der Nachwuchs in die Eigenheiten der Fasnacht eingeweiht und, wer weiss, rekrutieren sich hier die neuen Mitglieder der Gesellschaft.

Eines darf aber keinesfalls vergessen werden: Neben der Fasnachtszeitung bietet die Gesellschaft jährlich eine Plakette zum Verkauf an. Die erste Plakette ist im Jahre 1966 von Hugo Reichlin aus Flums in Ton hergestellt worden. Seit Jahren wird die Plakette in Metall gefertigt und zwar nach den Sujets von Ehrenmitglied Robert Bizzozero. Seine Fantasie kennt keine Grenzen!